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Was ist Diabetes Typ 1?

Im Fachjargon heisst dieser Diabetes-Typ «Diabetes mellitus Typ 1». Früher wurde er oft als «insulinabhängiger Diabetes» bzw. «juveniler (jugendlicher) Diabetes» bezeichnet. Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung: Das körpereigene Immunsystem, das eigentlich zur Abwehr krank machender Keime da ist, richtet sich gegen die Betazellen der Bauchspeicheldrüse, welche das für die Regulierung des Blutzuckers notwendige Insulin herstellen. Dabei werden diese zerstört. Die genauen Gründe für diese «Fehlabwehr» kennt man bis heute nicht.

Typ-1-Diabetes tritt häufiger bei Kindern und jungen Erwachsenen auf, kann aber bei Personen in jedem Lebensalter aufkommen. Heilungsmöglichkeiten gibt es bis anhin keine.

Abgrenzung zu Diabetes Typ 2

«Der Diabetes mellitus Typ 2 war früher auch als nicht-insulinabhängiger Diabetes oder Altersdiabetes bekannt. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zwar weiterhin Insulin, jedoch nicht genügend oder der Körper kann es nicht mehr wirksam verwenden, um Blutzucker in Energie umzuwandeln (Insulinresistenz). Die Entwicklung des Typ-2-Diabetes wird begünstigt durch Erbfaktoren, Übergewicht und Bewegungsmangel. Er tritt in den meisten Fällen erst ab einem Lebensalter von über 40 Jahren auf, man findet ihn aber auch zunehmend bei jüngeren Menschen mit starkem Übergewicht.» (Quelle: diabetesgesellschaft.ch)

Dieser Typ verlangt einen ganz anderen Umgang mit der Krankheit und ist NICHT Gegenstand dieser Seite.

 

Insulin

Das körpereigene Hormon, das die Aufgabe hat, Glukose zu den Zellen zu führen, heisst Insulin. Normalerweise dient es dazu, Zucker, den man mit der Nahrung zu sich genommen hat, zu erfassen und aus dem Blut in die Zellen zu führen, damit diese daraus Energie gewinnen. Herrscht Insulinmangel, sammelt sich der Zucker im Blut an – und der Blutzuckerspiegel steigt. Herrscht Insulinüberfluss, fällt man in eine Unterzuckerung.

 

Symptome

Diabetes Typ 1 zeigt erste Symptome in der Regel erst, wenn über 80% der Betazellen bereits zerstört sind. Zu diesem Zeitpunkt vermag das noch vorhandene Insulin es nicht mehr, den aufgenommenen Zucker in die Zellen zu schleusen. Mögliche Symptome von Diabetes Typ 1 sind:

  • häufiges Wasserlassen
  • extrem starker Durst
  • Schwächegefühl
  • Müdigkeit
  • trockene und juckende Haut
  • Gewichtsverlust
  • Azetongeruch der Atemluft (riecht wie Nagellackentferner)
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Eintrübungen im Augenlicht
  • Koma

 

Diagnose

Anhand des gemessenen Nüchternblutzuckers kann der Arzt bzw. die Ärztin die Diagnose Diabetes stellen. Dieser Wert wird morgens vor dem Frühstück bestimmt: Liegt er über 7.0 mmol/l (ca. 126 mg/dl) und ist der Langzeitblutzuckerwert HbA1c auch noch über 6.5%, liegt Diabetes vor. Bei nicht ganz eindeutigen Symptomen kann mithilfe der Antikörper der richtige Diabetes-Typ (1 oder 2) bestimmt werden.

Hintergrundinformationen zu den Masseinheiten

  • mmol ⇒ Mol: Ein Mol enthält etwa 6,022 x 1023 Teilchen. Diese Zahl ist so definiert, dass 12 g Kohlenstoff mit dem Isotop C-12 genau einem Mol entsprechen. Quelle: Wikipedia
  • HbA1c ist ein Glykohämoglobin, das heisst eine Form des roten Blutfarbstoffs, an den Glukose gebunden ist. Der Anteil des HbA1c am gesamten Hämoglobin kann bei Blutuntersuchungen festgestellt werden. Er gibt Auskunft über die Blutzuckerwerte der letzten vier bis zwölf Wochen und wird daher umgangssprachlich auch als Langzeitblutzucker oder Blutzuckergedächtnis bezeichnet. Quelle: Wikipedia
  • mmol/l vs. mg/dl sind nur verschiedene Angaben der Masseinheit für die gleiche Messgrösse: der Konzentration (=Anteil eines Stoffes in einem Gemisch oder einer Lösung), in diesem Fall der Konzentration des Zuckers im Blut. Quelle: Diabetiker Hannover

 

Behandlung

In erster Linie ist es wichtig zu akzeptieren, dass Diabetes Typ 1 vorliegt, denn dann steht einer guten Behandlung weniger im Weg: Wenn das Insulin vom Körper nicht selbst gebildet werden kann, muss es eben zugeführt werden. Die notwendige Dosis richtet sich nach dem aktuellen Blutzuckerwert, der Menge an zugeführten Kohlenhydraten und der allenfalls geplanten körperlichen Aktivität.

Das klingt ziemlich kompliziert ist, ist es aber nicht:

In speziellen Schulungskurse lernen Betroffene und Angehörige, wie sie die Werte bestimmen, die benötigte Insulinmenge berechnen und mittels Injektionen mit einem Pen oder eine Insulinpumpe diskret und genau dem Körper zuführen.

Menschen mit Diabetes Typ 1 sind lebenslang auf das Spritzen von Insulin angewiesen.

 

Mögliche (Spät-)Folgen

Spätfolgen treten meist erst nach Jahrzehnten auf, wenn man über mehrere Jahre mit schlecht eingestelltem Blutzucker bzw. mit überhöhten Werten gelebt hat.

Die Verengungen und Schäden an den Blutgefässen laufen mit Diabetes Typ 1 häufig intensiver und schneller ab. Bei Arteriosklerose (auch Gefässverkalkungen genannt) erhöht sich die Gefahr von Durchblutungsstörungen in den Füssen und Beinen, von Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.
So genannte Retinopathien treten auf, wenn Diabetes unzureichend behandelt wird. Sie sind die Folge von Durchblutungsstörungen und Verschlüssen in den Gefässen, welche die Netzhaut im Auge versorgen. Netzhautschäden lassen das Risiko einer Erblindung erheblich ansteigen.
Erhöhter Blutzucker beeinträchtigt die Filterfunktion der Niere, so dass diese nicht nur Schadstoffe, sondern auch Wertvolles via Harn ausscheidet. Erkennt und behandelt man diese Fehlfunktion nicht früh genug, kann eine Niereninsuffizienz auftreten.
Bei regelmässig zu hohem Blutzucker können Schäden am Nervensystem auftreten. Symptome dafür sind zum Beispiel Kribbeln oder Ameisenlaufen in den Füssen. Auch das Empfinden von Berührungen, Temperaturunterschieden oder Schmerz kann beeinträchtigt werden oder abhanden kommen. Sind Nerven zur Steuerung der Muskeln beschädigt, kann es auch zu Fehlstellungen kommen. Schäden an Neven, welche für die inneren Organe zuständig sind, können zu Herzrhythmusstörungen, Verdauungsbeschwerden oder Impotenz führen.
  • Hautveränderungen
  • Erschwerte Wundheilung
 

 

Diabetes Typ 1 im Alltag

Die Diagnose Diabetes Typ 1 gehört zu dir und wird, ob dir das passt oder nicht, deinen Alltag, dein Berufsleben und deine Freizeit begleiten – wie ein Siamesischer Zwilling. Je besser du diesen Zwilling und dessen Launen kennst, umso besser wirst damit umgehen können. Und ja, es wird Tage geben, da ist einfach der Wurm drin, und du ärgerst dich über den hohen Blutzucker bzw. die sich abwechselnden Hochs und Tiefs. Und dann gibt es Tage ,da legt dein Blutzucker die perfekte Kür hin und zeigt keine Anzeichen einer nicht vorhandenen Insulinproduktion. In beiden Fällen kann es vorkommen, dass du dafür keine logische Erklärung hast …

Diabetes Typ 1 ist eine Wundertüte voller Überraschungen, und die beste Art, damit umzugehen, ist aufmerksam zu bleiben und jeden Tag neu zu starten.

Auf dieser Plattform findest du Links zu Blogs mit Erfahrungsberichten von Menschen mit Diabetes Typ 1, Informationen über Hersteller von Hilfsmittel, Treffpunkte/Stammtische von Menschen mit Diabetes Typ 1, etc. Und du kannst deine eigenen, wertvollen Erfahrungen mit uns teilen indem du deinen Blog ins Verzeichnis einträgst.